Daisuki

Kristen Stewart im Interview

Bella wird gespielt von der großartigen Kristen Stewart

Hattest Du den Roman schon gelesen, bevor Du die Rolle der Bella bekommen hast?
Ich habe ihn erst gelesen, nachdem ich die Rolle bekommen habe. Ich hatte vorher noch nie von Twilight gehört.
In den USA gibt es echt einen Hype um die Bücher, ich weiß gar nicht, wie ich das verpasst haben kann! Die Bücher richten sich ja auch eher an Teenager, an Mädchen, aber ich versuche eigentlich immer, mich aus solchen Kategorisierungen rauszuhalten.

Weißt Du noch, was Du gedacht oder gefühlt hast, als Du Twilight zum ersten Mal gelesen hast?
Klar, ich meine, es ist ein sehr tiefgehendes Buch. Als Mädchen kann man sich sehr gut in Bella hineinversetzen. Ich kenne viele Leute, die ein Problem mit Bella haben, weil sie denken, Bella ist ein schwaches Mädchen, das sich selbst und einfach alles für eine stärkere Macht aufgibt, weil sie den perfekten Mann gefunden hat, der sie vor allem beschützen kann. Ich sehe das nicht so. Was mir am Roman besonders gut gefällt, ist, dass es um einen Vampir geht, der zwar 108 Jahre alt, in seinem Inneren aber eigentlich ganz klein und jung geblieben ist, und der sich genauso vor Dingen fürchtet.
Und Bella ist ein 17-jähriges Mädchen, das sich einfach nie sicher fühlen kann, denn sie weiß einfach nichts. Es ist einfach nur ein unbeschreibliches Gefühl, dem sie vertraut. Ich denke, Männer tendieren dazu, einfach auf ihren Kopf zu hören, wenn sie Entscheidungen treffen müssen. Aber Mädchen wie Bella folgen ihrem Herzen, ihrem Bauchgefühl.
Ich finde, sie ist sehr stark, eben weil sie so handelt. Das hat mich sehr beeindruckt. Und außerdem entwickelt sie so eine wundervolle Liebesgeschichte!

Wie gehst Du damit um, wenn die Presse Dich den nächsten großen Star im Showbusiness nennt?
Ich lasse das nicht an mich rankommen, solche Dinge höre ich meistens eh nur in Presseveranstaltungen. Der Erfolg dieses Films hat es mir erleichtert, das zu tun, was mir viel bedeutet, das ist wirklich toll!
Und was das Berühmtsein angeht - Ich werde nicht viel erkannt, ich bin ziemlich unauffällig. Nur Paparazzi verfolgen mich manchmal, aber selbst denen werde ich schnell zu langweilig. (lacht)

Twilight ist bereits an seinem Start-Wochenende gleich an der Spitze der US-Kino-Charts gelandet. Das wird sicher einige Veränderungen mit sich bringen. Hast Du mit dem Erfolg gerechnet?
Nein, wirklich nicht. Ich gebe aber auch nicht viel auf das Business und das Drumherum. Mir geht es nur um das Projekt, an dem wir arbeiten.

Das Gesicht des Buches

Filmszene: Bella und Edward kommen sich Stück für Stück näher...

Also fühlst Du auch keinen Druck von den Fans oder der Presse?
Na ja, in den USA ist es oft so, dass ich den Raum betrete, mich mit den Journalisten an einen Tisch setze und sie mich ansehen, als ob sie mich jetzt schon nicht leiden können und genervt sind. Einfach, weil ich nicht in dieses Bild passe - niemand passt da rein! - in das junge neue Schauspielerinnen gesteckt werden sollen. Aber viele versuchen, diesem Bild zu entsprechen und immer dieselben auswendig gelernten Antworten zu geben, um alle glücklich zu machen.
Das erschreckt mich wirklich. Und wenn Du Dich nicht so verhältst, wie es von Dir aufgrund eines Klischees erwartet wird, wirst Du auf einmal dafür kritisiert, dass Du nervös bist oder ehrliche Antworten gibst. Dann denke ich mir »Mann, das kann doch nicht wahr sein! Sollte es nicht gerade gut sein, sich nicht zu verstellen und sich selbst treu zu bleiben?« Das kann wirklich nerven.
Ich glaube auch, dass einige amerikanischen Fans des Buches mich nicht wirklich verstehen, aber das ist schon okay. Es geht nicht darum, ob sie mich mögen, sondern darum, dass ihnen der Film gefällt.

Mit der Rolle als Bella bist Du das Gesicht des Buches. Wie hat sich seitdem Dein Alltag verändert, wenn Du zum Beispiel mit Deinen Freundinnen Kaffee trinken gehst?
Ich setze mich eigentlich lieber in den Hintergrund. Der Film ist erst vor einer Woche gestartet, deshalb habe ich noch nicht so viele Erfahrungen mit Fans gesammelt, und seitdem war ich eigentlich nur auf Promotiontour.
Aber gestern waren wir in London in einem großen Klamottenladen, den wir zu Hause in Amerika nicht haben. Nur ein Mädchen kam auf mich zu und fragte mich, warum ich einfach so durch das Geschäft laufen kann und sich nicht Massen von Fans um mich scharen. Aber das ist bisher einfach noch nicht oft passiert.
Nur ganz selten kommen ein oder zwei Leute auf mich zu, aber die wissen dann meistens überhaupt nicht, was sie sagen sollen! Meistens sagen sie dann nur: "Hey, das bist ja Du!" und ich erwidere: "Ja, das bin ich."

Und bist Du aufgeregt, wenn Du an die ganzen Fans denkst, die sich hier in Deutschland schon auf Euch freuen? Der Roman "Bis(s) zum Morgengrauen" ist hier ebenfalls ein absoluter Erfolg, und die Fans werden sicher total abdrehen, wenn sie Euch dann sehen!
Wir haben das mittlerweile schon oft gemacht, Events, bei denen die Fans aufgeregt auf uns gewartet haben. Irgendwie habe ich mich also schon dran gewöhnt. Aber wenn es dann soweit ist, hat man im Endeffekt nicht viel Kontakt mit den einzelnen Fans. Man signiert schnell ihr Buch oder ihr Foto und schon sind sie wieder weg und der nächste ist dran. Das geht alles so dermaßen schnell, dass es mir immer vorkommt wie fünf Minuten, dabei ist meistens schon eine Stunde vergangen. Man sieht die ganzen Leute alle nur für eine Sekunde und es ist einfach wahnsinnig laut, weil alle schreien, und meistens ist es auch wahnsinnig kalt, wo wir gerade hinkommen. Die Fans sind es also nicht, die mich nervös machen...
Viel mehr habe ich Angst, etwas falsch zu machen, wenn ich über den Film rede, dass ich die Leute vielleicht mit irgendetwas verärgere. Manchmal komme ich wohl falsch rüber. Ich weiß nicht, wie das passiert, aber es macht mich nervös. Und dann sind die Leute von mir genervt, weil ich einfach so nervös bin. Ein Teufelskreis!

Was, denkst Du, erwarten die Fans von Dir?
Ich weiß nicht... ich weiß nicht, ob sie nicht sehen, wie begeistert ich bin! Vielleicht denken sie, dass ich die Sache nicht zu würdigen weiß, aber das ist verrückt! Ich kann nur in einem Film mitspielen, wenn er mich in seinen Bann zieht. Viele denken, dass ich mich einfach nicht drum schere, aber das ist verrückt!

Die Fans...

Kristen Stewart ist Bella Swan

Freust Du Dich schon auf die anderen Biss-Filme?
Ja! Bisher ist es ja nur sicher, dass der zweite Teil verfilmt wird und ich Bella spiele. Die Dreharbeiten werden wohl im März beginnen. Das ist echt cool. Normalerweise drehe ich einen Film, und nach sechs Woche ist der ganze Spuk wieder vorbei und ich bin traurig, dass ich mich mit dem Charakter nicht länger beschäftigen konnte. Aber hier geht die Geschichte noch weiter, darüber freue ich mich echt!
Ich weiß nie genau, was ich darauf antworten soll, wenn ich gefragt werde, wie ich mit dem Ruhm und der ganzen Aufmerksamkeit umgehe. Ich will schließlich, dass der Film Aufsehen erregt!
Bisher habe ich hauptsächlich in kleineren Indie-Filmen mitgespielt, die nie das Tageslicht gesehen haben. Wir wollen die Leute erreichen und berühren, und dieser Film hat das offensichtlich geschafft. Es ist einfach eine gute Sache, vielleicht etwas überwältigend, aber aufregend!

Hast Du zu irgendeinem Zeitpunkt gezögert, den Vertrag für die Rolle zu unterzeichnen?
Nein. Ich ahnte ja nichts von diesem Hype. Wir wussten, dass es sehr leidenschaftliche Fans gibt, aber wir dachten, es wäre nur ein kleiner Kreis. Ich fand es schön, dass es Leute gab, denen das Buch so viel bedeutet, und ich dachte, es würde eher ein kleiner, kultiger Film werden.
Und Catherine Hardwicke ist eine typische Indie-Film-Regisseurin. Es ist eine sehr ruhige Geschichte. Auch für die Stunts und so weiter hatte sie nicht viel Budget, aber darauf kommt es nicht an. Ich hätte niemals gedacht, dass der Film so berühmt werden würde!

Was war das verrückteste Erlebnis, das Du bisher mit einem Fan hattest?
Verrückt ist es, wenn Leute auf einmal einfach anfangen zu weinen und ich denke mir: "Wow, was ist denn los?" Es ist, als ob sie es einfach nicht fassen können! Sie hatten sich beim Lesen natürlich nicht Robert oder mich als Edward und Bella vorgestellt, zu dem Zeitpunkt haben wir für sie ja noch gar nicht existiert. Aber auf einmal stehen wir dann vor ihnen und verkörpern die beiden Figuren, die sie so lieben. 
Auf der Premiere des Films in L.A. stand ein Mädchen neben mir das sagte, sie könne es einfach nicht fassen, dass sie neben Bella Swan stünde! Das ist manchmal etwas merkwürdig.
Aber Rob hat viel heftigere Erlebnisse. Sie sind absolut verrückt nach ihm.

Was denkst Du darüber, wenn Schauspieler nach einer bestimmten Rolle nur noch als eben diese bezeichnet und mit ihr verglichen werden?
Ich finde es in Ordnung. Natalie Portman wird ja auch nicht nur noch mit Prinzessin Amidala aus "Star Wars" in Verbindung gebracht. Also, ich meine, nicht, dass ich mich mit Natalie Portman vergleichen würde, sie ist einfach grandios. Aber ich mache auch noch andere Filme zwischendurch, jetzt habe ich zum Beispiel gerade den Film "Welcome to the Rileys" gedreht, in dem ich eine volkommen andere Rolle spiele, ein Straßenkind, das wie ein kaputtes Spielzeug behandelt wurde.
Wenn man unbedingt berühmt werden will, springt man vielleicht manchmal auf den falschen Zug auf. Vor allem kommerziellen Projekte scheinen oft nur eine Art Rahmen zu sein, in dem sich aber kein Bild befindet. Es steckt zwar eine gute Idee dahinter, aber es fehlt der Inhalt. So etwas möchte ich nicht machen, ich bin nicht jemand, der zwanghaft nach Erfolg sucht.

Du hast Natalie Portman erwähnt. Ist sie so etwas wie Dein Idol?
Ja, ich bewundere sie wirklich sehr. Ich war mal zufällig im selben Hotel mit ihr, das war unglaublich! Sie betrat einfach so die Empfangshalle, sie war so normal, und sagte leise "Hi" zu den Hotelangestellten. Als ob sie gar nicht merken würde, dass jeder sie anstarrte. Das war einfach unglaublich! Ich liebe Natalie Portman. Sie ist einfach großartig!

Hobbys und Familie

Filmszene: Edward muss Bella ein Geständnis machen...
Denkst Du, es ist schwer für junge erfolgreiche Schauspieler, auf dem Boden zu bleiben?
Ich weiß nicht... vielleicht für manche. Ich denke, ich bin auf dem Boden geblieben. Viele Leute genießen es, über sich zu reden und nutzen diese große Aufmerksamkeit, die sie bekommen. Sie lieben es einfach. Und es ist ja auch wirklich überwältigend.
Aber ich bin ich ein Familienmensch. Ich lebe nicht in Hollywood, und L.A. ist ziemlich weitläufig. Ich lebe eher in einer ruhigen Gegend mit meiner Familie. Manchmal bin ich halt unterwegs, um Filme zu drehen oder um Interviews zu geben, aber sonst ist alles ganz normal.

Also geht es Dir nicht um Glamour, sondern um die kreative Arbeit?
Ja! Die Schauspielerei ist ein Ventil, man kann einfach alles rauslassen. Wenn ich diese Arbeit nicht hätte, würde ich mir etwas anderes suchen, das mir so viel gibt.

Und was zum Beispiel?
Ich weiß nicht genau, ich schreibe zum Beispiel ein bisschen, aber wirklich nur ganz kleine Sachen, nur für mich selbst. Oder ich mache Fotos... Wirklich, Schauspielerei ist etwas, was für mich über allem steht. Eine Sache aus allen Blickwinkeln zu analysieren und sich hineinzuversetzen. Es ist eine Art und Weise, über das Leben nachzudenken. Schauspielerei hat einfach so viele Aspekte.

Was hat sich alles verändert, wenn Du sagst, dass Dir seit dem Erfolg von Twilight neue Türen offen stehen?
Ich kann jetzt in Filmen mitspielen, die vielleicht sonst keine Mittel bekommen würden oder um die sich niemand scheren würde. Ich hoffe, dass ich kleinere Projekte jetzt vielleicht schneller vorantreiben kann, sodass sie tatsächlich produziert werden.

Was machst Du in Deiner Freizeit um zu relaxen? Ich habe gehört, dass Du gerne surfst, stimmt das?
Ah, das ist ein Missverständnis. Ich glaube, ich habe das mal in einem Interview gesagt, als ich ein Kind war. Ich wurde gefragt: "Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?" und habe geantwortet: "Hmm... letzte Woche war ich mit meinem Bruder surfen, das hat Spaß gemacht!" Und schon hieß es, ich sei eine Profisurferin! Also: Nein, ich bin keine Surferin. Ich würde auf einem Surfbrett seekrank werden!

Oh, jetzt können wir uns denken, warum Du Angst hast, bei Interviews etwas Falsches zu sagen! Du bist also auch nicht in Robert verliebt?!
Nein, nein. Manche Leute wünschen sich das sicher - obwohl, nur manche! Ich höre auch so was wie "Bilde Dir bloß nicht ein, dass Du bessere Chancen bei Robert hättest als irgendjemand von uns!" Also, nein, wir sind gute Freunde, aber nicht mehr!

Zum ersten Mal auf der Leinwand

So sehen echte Fans aus!
Wie wirst Du Weihnachten verbringen?
Zu Hause! Mit meiner Familie. Ich könnte mir nicht vorstellen, Weihnachten nicht zu Hause zu verbringen.

Ich habe gehört, dass es eine Sammelfigur von Dir geben soll!
Ja, das ist... toll. Naja, sie sieht überhaupt nicht aus wie ich! Sie sieht eher aus wie eine 32-jährige Frau. Ich weiß nicht, das ist schon merkwürdig.

Hast Du Angst, dass in zwanzig Jahren Leute auf Dich zukommen und immer noch sagen: Hey, Du bist doch das Mädchen aus dem Twilight-Film!
Das wäre doch toll! Daran ist doch nichts schlimm, wenn sich die Leute in zwanzig Jahren immer noch an mich erinnern. Solange sie nicht auf mich zukommen und grummeln: "Hey, du warst doch in diesem Twilight-Film? Das war ja peinlich!"
Ich fände es super, wenn Leute sagen würden: "Das war eine tolle Sache damals!" Denn das ist es schließlich auch: Mein erster großer Film!

In einer Pressemitteilung habe ich gelesen, dass Du in deinem ersten Film eine 12-jährige Kettenraucherin dargestellt hast.
Oh, das ist lustig. Ich war 9 Jahre alt. In dem Film verstecken meine Freundin und ich uns, um heimlich unsere erste Zigarette zu rauchen, was aber auch nicht so richtig klappt. Also nein, der Charakter war keine Kettenraucherin.

Wie hast Du reagiert, als Du Dich zum ersten Mal auf der Leinwand gesehen hast?
Damit konnte ich überhaupt nicht umgehen! Ich war ja erst 9 Jahre alt, und alles schien so willkürlich. Als hätte man mich gefragt "Kristen, würdest Du gerne Schauspielerin werden?" und ich hätte geantwortet: "Naja, ja klar, warum nicht?" Ich habe mir irgendwie nicht so viele Gedanken gemacht. Heute starre ich auf die Leinwand und beobachte jede meiner Bewegungen ganz genau und denke mir oft (ironisch): "Super gemacht, Mädchen, ganz toll..." Früher wollte ich mir meine Filme gar nicht erst anschauen. Mittlerweile geht das also schon, aber ich bin immer noch ziemlich streng zu mir. Wenn man so viel Arbeit in etwas steckt, möchte man aber natürlich auch das Resultat sehen!

Hast Du die Stunts selbst gemacht oder ist da eine Stuntfrau eingesprungen?
Ja, wir haben alles selbst gemacht. Ich glaube, wir konnten uns nur für einen Tag einen Greenscreen leisten. Also, alles womit wir im Film zu tun hatten, war auch wirklich da. Wir waren auf den Bäumen und sind wirklich an ihnen hochgeklettert. Bei der Kampfszene musste ich durch Glas fallen und gegen einen Pfeiler knallen, das war alles echt. Es hat wirklich Spaß gemacht!

Danke für das Interview, Kristen! Alles, alles Gute für Deine Zukunft!