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Daisuki

Bestseller-Autorin Libba Bray im Interview

Die DAIs treffen Libba Bray!
Mit dem ersten Teil der "Der geheime Zirkel"-Trilogie hat sich die amerikanische Autorin Libba Bray bereits tief in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben - und zwar auf der ganzen Welt! Nach "Gemmas Visionen" und "Circes Rückkehr" bildet "Kartiks Schicksal" nun den funkelnden Abschluss der einmalig magischen Buchreihe! Grund genug für Libba, sich auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse zu einem wunderbar chaotischen Interview mit den DAIs zu treffen!

Libba Bray about Friendship

Die Bestseller-Trilogie

Gemma, Felicity, Pippa und Ann, die Hauptfiguren aus Ihren Büchern, haben sehr unterschiedliche Charaktere. Welches der Mädchen mögen Sie am liebsten?
Libba Bray: Jedes der Mädchen hat seine eigenen starken Eigenschaften, wofür ich jedes von ihnen mag. Am meisten sind mir jedoch Gemma und Felicity ans Herz gewachsen.

Mit welchem der Mädchen könnten Sie sich am besten identifizieren? 
Am besten finde ich mich in Gemma wieder ? derjenigen, die sich immer irgendwie wie ein Außenseiter fühlt. Das ist ihr kleiner Makel, genauso wie meiner.

Die Freundschaft zwischen den vier Mädchen ist ziemlich kompliziert ? wie echte Freundschaften nun mal sein können. Was macht eine Freundschaft für Sie zu einer echten? 
Also, für mich ist es am allerwichtigsten, dass Freundinnen ehrlich zueinander sind. Ich weiß noch, dass ich als Teenager auch drei super feste Freundinnen hatte, mit denen ich die ganze Zeit herumhing, wie ein Wolfsrudel. Sich in der Pubertät zu befinden ist immer schwierig und kompliziert, und wir halfen einander, diese Zeit irgendwie durchzustehen.
Aber, es gibt ja immer ein aber, auch die Freundschaft an sich war ziemlich kompliziert: Irgendwie gab es immer kleine Machtspielchen und Unsicherheiten. Wie wir uns gegeneinander aufgehetzt haben, t kleineren Streits und Reibereien, r ganz bestimmt genauso wichtig wie nahtloses Zusammenhängen. So sind wir gewachsen.

Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, weiß ich, dass ich manchmal dachte, wir wären die besten Freundinnen auf der ganzen Welt... und manchmal war diese Freundschaft einfach nur schwer und mit vielen Tränen verbunden. Manchmal vergisst man einfach die ganze große komplizierte Bandbreite, die eine Mädchenfreundschaft nun mal beinhaltet.
Meine Erfahrungen von damals wollte ich auch Gemma und ihren Freundinnen mit auf den Weg geben. Die Machtspielchen. Das Gerangel um die beste Position innerhalb der Freundschaft. Und wie die Last, die die Mädchen auf ihren Schultern zu tragen haben, auf eine Weise ihre Vertrautheit miteinander stört und wie sie den Mädchen aber gleichermaßen überirdische, intime Momente beschert, wie sie nur Freundinnen miteinander teilen können.

Bei wahren Freundschaften möchte ich, dass ich stets auf ihre Unterstützung zählen kann. Und ich hoffe ganz stark, dass ich selbst diese Art von bester Freundin bin! Außerdem ist Mitgefühl eine sehr wichtige Eigenschaft, denn wir alle haben Wunden und Geheimnisse, die wir vertrauensvoll mit unserer besten Freundin teilen wollen. Eine echte Freundin akzeptiert dich so, wie du bist. Und eine echte Freundin teilt ihre Schoki mit dir. Immer.

Und was ist in einer Freundschaft absolut verboten?
Ich würde niemals mit dem Exfreund meiner Freundin ausgehen. Selbst wenn er Johnny Depp wäre. So was geht gar nicht! Und ich würde immer versuchen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Meine Regel lautet folgendermaßen: Wenn meine Freundin in einer Umkleidekabine ein neues Outfit anprobiert und mich fragt, ob es ihr steht, bin ich ehrlich: »Not that one, honey.«
Aber wenn sie genau dieses Outfit zu einem Zeitpunkt trägt, an dem sie kurz davor steht, vor ein großes Publikum zu treten und mich nervös fragt, wie sie aussieht, sage ich: »You look FANTASTIC! Go get ?em, Tiger!« Und wisst Ihr auch, weshalb? Wenn Du Dich schön fühlst, dann bist Du auch schön!

Bevorzugen Sie persönlich einen großen Freundeskreis oder haben Sie eher weniger, dafür aber umso engere Freunde?
Hmm? gute Frage! Ich habe zwar einen sehr großen Freundeskreis, aber eigentlich habe ich immer eher zu einer kleineren Clique mit sehr engen Freunden tendiert ? die Art von Freunden, die man am Sonntagnachmittag anruft, wenn man gerade in einer kleinen Depri-Phase hängt. Wenn man am Sinn des Lebens zweifelt, die falschen Schuhe trägt und jemanden braucht, dem man vertraut und den man liebt. Und der Dich genauso liebt und Dir einen kleinen Hieb versetzt: ?Oh mann, nun geh mal vor die Tür und besorg Dir ?nen Muffin! Und dann kommst Du mich besuchen und hörst auf so griesgrämig zu sein!?



Libba Bray about Love

"Der geheime Zirkel" ist auch als Hörbuch erschienen!

In »Circes Rückkehr« gibt es zwei attraktive Männer, die Gemmas Herz erobern wollen. Wen würden Sie wählen ? den ehrenhaften und intelligenten Simon Middleton oder den geheimnisvollen Kartik? 
Könnte ich bitte eine Kombination bekommen?! //Smilie//

Auf Ihrer deutschen Homepage haben wir vom »echten« Kartik gelesen, mit dem Sie früher einmal zusammen gekellnert haben und in den Sie ein bisschen verschossen waren. Wie ist diese Lovestory zu Ende gegangen?
Hm... Er war schon ein Süßer... Aber nun ja, wir haben gemeinsam Tische abgeräumt und dreckiges Geschirr abgewaschen. Kartik war... sehr verträumt... und unheimlich attraktiv. Aber wahrscheinlich hätte er einen Flirt mit diesem Satz beendet: »Hey, Libba, kannst Du das Brot an Tisch 5 bringen?«, und ich hätte geantwortet: »afufewufhusihs«. Und ich hätte in mich hinein gekichert, wäre rot geworden und weggerannt. 

Hat der Kartik aus Ihrer Vergangenheit Gemeinsamkeiten mit dem Kartik aus Ihren Büchern?
Nein, der nicht. Aber auf dem College hatte ich einen guten Freund, der halb-indisch war. Wir hatten eine sehr temperamentvolle Freundschaft, würde ich sagen. Mit vielen Streitereien. Es bestand eine starke erotische Spannung zwischen uns. Zumindest von meiner Seite! (Zwischen uns ist nie etwas gelaufen. Wir sind nicht einmal miteinander ausgegangen. Aber ich habe viel drüber nachgedacht. Sehr viel.)
Auf jeden Fall hat er mir in meiner Entwicklung sehr weitergeholfen. Er war einer der ersten, die mich beim Schreiben unterstützt und an mich geglaubt haben. Er sagte, wenn ich endlich aufhören würde, mich mit anderen Schriftstellern zu vergleichen, könnte ich selbst eine sein. (Sein Vater war ein sehr berühmter indischer Autor.) Er hatte sehr moralische Ansichten und hielt sich immer streng an die Sitten. Ich denke, unsere Freundschaft habe ich ein bisschen in der Beziehung zwischen Gemma und Kartik wiederaufleben lassen.

Libba Bray about Magic

Libba Bray - das Original
Glauben Sie an Magie?
Hmm? da schwanke ich zwischen zwei Zitaten:
Das erste ist aus einem Gedicht von Shel Silverstein mit dem Titel ?Magic?. Es handelt von kleinen Kindern, die Elfen beobachten, mit Feen tanzen und mit Trollen sprechen. Und das Gedicht endet mit dem Satz: ?But all the magic I have known I?ve had to make myself? (Doch all die Magie, die ich kannte, musste ich selbst erleben.)

Dem stimme ich zu.

Aber dann gibt es auch noch dieses Zitat aus Shakespeares ?Hamlet?: ?There is more between heaven and earth, Horatio, than is dreamt of in your philosophy?. (Zwischen Himmel und Erde gibt es weitaus mehr, Horatio, als Du auch nur zu träumen wagst.)

Dem stimme ich ebenfalls zu.

Und hier stehe ich nun!


Wie sieht das Paradies für Sie aus?
Genau so. Ich lebe es. Jeden Tag.

Was würden Sie tun, wenn Sie für einen Tag so mächtig wären wie Gemma in Ihrem Roman?
Oh, ich denke, man sollte mir wirklich keine Kräfte anvertrauen! Wahrscheinlich würde ich versuchen, etwas Wohltätiges zu tun, das am Ende absolut schiefgeht. Vielleicht bin ich wie Galadriel in »Der Herr der Ringe« und sollte bei der Frage um den Ring einfach passen.

Libba Bray about herself

Wie lange trieb sich die Geschichte von Gemma und ihren Freundinnen schon in Ihrem Kopf herum, bevor Sie sie niederschrieben?
Ungefähr ein Jahr. Sie war wie eine offene Akte in meinem Kopf, in die ich zwischendurch Teile und Fragen hinzugefügt habe: ?Wie wäre es, wenn Gemmas Mutter sterben würde??, ?Was, wenn Gemma außerhalb Englands aufwüchse?? ?Wenn sie Visionen hätte?? ?Wie wäre es mit fleischfressenden Waschbären, die Gedanken lesen können?!? Nee. Streich das. Das ist zu viel.

Wussten Sie schon von Anfang an, wie die Geschichte von Gemma enden würde?

Oh nein! Niemals. Und genau das macht so viel Spaß beim Schreiben ? dass Du sehen musst, wohin es Dich führt.

Was machen Sie während des Schreibens? Hören Sie Musik?
Ja, das mache ich. Ich habe für jedes Buch, das ich schreibe, eine Playlist auf meinem iPod. Ich liebe Musik und meine Playlisten helfen mir dabei, mich in die passende Stimmung für ein Buch zu bringen. Beim Schreiben von ?Der geheime Zirkel? habe ich viel Sigur Ros, Tori Amos, Echo & The Bunnymen, den alten David Bowie, Kate Bush und Roxy Musik gehört.
Ich liebe es, wenn Leser meinen Blog auf meiner Homepage besuchen und mir Titelvorschläge bringen. So habe ich einige neue Songs kennengelernt, zum Beispiel von Sigur Ros.

Viele junge Mädchen träumen davon, eines Tages eine berühmte Autorin wie Sie zu sein. Verraten Sie uns etwas über die guten und schlechten Seiten dieses Jobs?
Besonders schwer ist (?schlecht? wäre übertrieben), dass es sich die ganze Zeit um Dich dreht. Niemand gibt Dir genau Anweisungen und leistet Dir Hilfestellung. Es liegt an Dir selbst, jeden Tag zur Arbeit anzutreten und Dich darauf einzulassen, die Geschichte weiterzuentwickeln und hinter Geheimnisse zu kommen. Das ist hart! Außerdem kann es ganz schön haarig werden, wenn man Abgabetermine einhalten muss? Ich habe einige Nächte durchgemacht, um ein paar Manuskripte fertigzustellen. Und danach schlief ich gefühlte Billionen Stunden.

Aber die schweren Aspekte des Jobs sind gleichzeitig auch die tollen Seiten. Die Story zu entwickeln, die Reise zu beginnen und eigene Emotionen zu entdecken, die man bisher noch nicht von sich kannte, ist wahnsinnig spannend und wird belohnt! Es ist großartig, auf diese Weise mit den Lesern zu kommunizieren. Zumindest für mich. Und die ganzen liebenswerten Leser dann auch noch zu treffen und mit ihnen zu schwatzen ist unglaublich!

Welche Bücher haben Sie als Teenager gelesen? Waren auch Comics dabei?
Ich lese alles! Wenn mir jemand die Cornflakes-Packung vor die Nase stellt, lege ich los und freue ich mich, dass so viel Vitamin B6 drin ist. Wusstet Ihr das?!
Ich lese viele lustige Titel: von Woody Allen, Douglas Adams oder Monty Python. Während meiner Schulzeit habe ich alle Klassiker gelesen. Ich habe mir alle möglichen Theaterstücke angesehen und dann auch diese Werke gelesen.
Ich habe schon immer Krimis wie die von Agatha Christe und Arthur Conan Doyle geliebt. Meine Lieblingsbücher damals waren ?To Kill a Mockinbird? (Wer die Nachtigall stört), ?The Bell Jar? (Die Glasglocke) und ?Catcher in the Rye? (Der Fänger im Roggen). Letzteres war meine Bibel, als ich sechzehn war!
Klar habe ich auch Comics gelesen! Als Kind habe ich Horror-Comics gelesen: Archie, Little Lulu, Spiderman, Superman und Buck Rogers. Davon hatte ich sogar eine ganze Sammlung. Mittlerweile lese ich eher Graphic Novels. Wenn Ihr einen tollen Mädchen-Comic lesen wollt, schnappt Euch ?The Plain Janes? von meiner Freundin Cecil Castellucci.

Was für eine Schule haben Sie als Kind besucht?
Ich bin immer auf eine öffentliche Schule gegangen. In meiner Heimatstadt Denton, Texas, gab es nur diese eine Highschool. Football war sehr hoch geschrieben, alles schien sich nur darum zu drehen. Es gab die üblichen Cliquen: Sportler, Streber, Kiffer, Rollenspieler und ganz viele von uns, die sich in keiner Clique so richtig zugehörig fühlten.

Wie würden Sie sich selbst als Teenager beschreiben?
Ich war eine echte Nervensäge!
Ich war absolut albern. Ein Clown. Ein kleiner Freigeist. Aber auch eine Träumerin. Ich habe viel Zeit in meinem Zimmer verbracht, habe Musik gehört und von den Dingen geträumt, die ich irgendwann mal machen wollte, Orte, die ich besuchen und Jungs, die ich unbedingt mal küssen wollte.
Mit meinen Freunden habe ich viele Konzerte besucht. Manchmal sind wir auch nach außerhalb gefahren, haben uns auf eine Brücke gesetzt, Bier getrunken und Musik gehört.
Ich war eine gute Schülerin in Englisch und Kunst, alles, was mit Kreativität zu tun hatte, lag mir. Mathe und Naturwissenschaften? Eh, waren nicht so mein Ding. Ich war froh, wenn ich die Kurse mit Ach und Krach bestanden hatte. In Mathe würde mich eine Viertklässlerin blöd dastehen lassen.

Als Teenager war ich immer ruhelos. Ich wusste, da draußen würde noch etwas auf mich warten. Und ich hab die Augen offen gehalten.

Führten Sie Tagebuch, als sie Teenager waren?
 
Ja, ich hatte eins. Es spielte eine wichtige Rolle in meinem Leben. Als ich gerade die Schule abgeschlossen hatte, war ich in einen wirklich schweren Autounfall verwickelt, bei dem ich beinahe umgekommen wäre. Mein Gesicht war zerstört. Knochenbrüche. Und ich verlor mein linkes Auge.
Zwei Monate später besuchte ich das College. Ich hatte wahnsinnige Angst, war innen wie außen gebrochen. Ich hatte keinen Weg gefunden, mich auszudrücken ? meine Wut, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Irgendwann begann ich, in mein kleines gelbes Tagebuch zu schreiben ? und fand so meine Stimme wieder. Es rettete mich. Ich sage immer, dass ich genau weiß, dass Schreiben einem das Leben retten kann. Denn meines hat es gerettet.

Sind Sie zum ersten Mal in Deutschland?
Ja, und ich habe mich gleich verliebt! Mit Deutschland verband ich immer nur die Gebrüder Grimm. Eine Märchenwelt. Deshalb ist es schön, diese Welt einmal kennenzulernen. Mir sind zwar noch keine fantastischen Kreaturen über den Weg gelaufen, aber ich habe schon toll zu Abend gegessen, faszinierende Menschen kennengelernt und viel gelacht. Und ich habe gelernt, Wasser mit Kohlensäure zu bestellen: ?Vassa mit kohlensaure?. Ich werde nie aufhören, das zu sagen! Aber alle anderen haben jetzt schon die Nase voll davon! ^_^

Woran arbeiten Sie im Moment? Wird es einen vierten Teil vom Geheimen Zirkel geben?
Ich habe gerade einen Roman mit dem Titel ?Going Bovine? zu Ende geschrieben. Da geht es um einen 16-jährigen Jungen, der an BSE leidet und sich auf einem Roadtrip mit einem Typen namens Gonzo befindet, einem Kerl, der vor allem Angst hat. Es gibt auch einen punkigen Engel namens Dulcie. Und viele schwarze Löcher, Parallelwelten, Bowling, Disney World und ganz viel anderen verrückten Quatsch. Das Schreiben hat mächtig viel Spaß gemacht!
Danach werde ich an einem weiteren Roman für Kinder schreiben und später eine historische Romanreihe beginnen. Ich würde auch nur zu gerne mal eine Graphic Novel schreiben?

Ihr Notebook trägt den Namen Lucille. Gibt es noch mehr Gegenstände, denen Sie Namen gegeben haben?
Ja, dazu habe ich einen Hang? Warum? Als Kind war ich überzeugt, dass nichts wirklich leblos ist. Wenn ich gegen eine Tür gelaufen habe, habe ich ihr einen Kuss gegeben und mich entschuldigt. Schließlich hatte ich ihr wehgetan! Ich war ein eigenartiges Kind? Wirklich eigenartig?

Stellen Sie sich vor, ein Tor aus Licht würde in diesem Moment neben Ihnen erscheinen. Würden sie durchgehen?
Oh, natürlich! Aber ich würde etwas zu Essen mitnehmen.