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Kerstin Gier

Kerstin Gier

Mit Frauenromanen wie »Für jede Lösung ein Problem« oder »In Wahrheit wird viel mehr gelogen« stürmt Kerstin Gier regelmäßig die Bestsellerlisten und sorgt mit ihrem besonderen Humor und ihrer Sicht von Alltags-Angelegenheiten für viele amüsante Lesestunden! »Rubinrot« ist Kerstin Giers erster Jugendroman, der ihren bisherigen Romanen in nichts nachsteht!

Achtung: Im Interview sind auch Spoiler-Fragen über "Rubinrot" enthalten!

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

In Rubinrot geht es um Zeitreisen. War es kompliziert dieses Phänomen in allen Details für die Reihe auszutüfteln?
Ich finde es immer noch hoch kompliziert. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Ohren fangen an zu rauchen, wenn ich über einzelne Möglichkeiten nachdenke. Im Grunde sind Zeitreisen ein Paradoxon, und so logisch ich auch die ganze Geschichte aufbauen möchte, ein paar kleine Haken bleiben immer übrig?

Wie war es für Sie, sich in Gwens Rolle hineinzuversetzen? Fällt es Ihnen leicht, aus der Sicht eines Teenagers zu schreiben?
Ja, seltsamerweise scheine ich ein Teenager zu sein, der nur aus Versehen im Körper einer mopsigen Dreiundvierzigjährigen steckt ^_^; Bedenklich ist nur, dass ich auch ein kleines bisschen in den männlichen Protagonisten verknallt bin?

Wie würden Sie einen Mann wie Gideon in drei Worten beschreiben?
Verschlossen, abenteuerlustig, gefühlvoll?

Verkörpert Gideon für Sie ein bestimmtes Bild von Männern?
Nö. Er ist eigentlich ein ganz eigenes Exemplar Mann.

Gideon behandelt Gwen ziemlich oft von oben herab. Ist er nicht manchmal zu fies zu ihr?
Doch, absolut fies. Aber das kann sich ja noch ändern?

Sollte Gwen in Bezug auf Gideon misstrauischer werden?
Na ja, sie sollte sich schon fragen, ob er nicht vielleicht etwas im Schilde führt?

Was findet Gideon so toll an Charlotte, Gwens unsympathischer Cousine?
Na ja, Charlotte ist sehr hübsch und klug und vielleicht hat sie Gideon ja auch ihre netten Seiten offenbart, Seiten, von denen Gwendolyn bisher nichts mitbekommen hat. Aber ich glaube, so richtig toll findet er sie gar nicht ^_-

Lucy und Paul können mit dem zweiten Chronographen immer weiter in die Vergangenheit reisen. Müssen die beiden sich nicht ihre nächsten Schritte sehr genau überlegen, weil es sonst zu gefährlich für sie werden könnte?
Lucy und Paul haben den Chronographen in einer anderen Zeit "verankert". 1912 ist nun ihre neue Basiszeit, von der aus sie weiter in die Vergangenheit springen können.

Welcher Charakter aus »Rubinrot« ist Ihnen beim Schreiben besonders ans Herz gewachsen?
Ich liebe sie ja alle sehr? aber ich glaube, einer meiner Lieblingsfiguren ist der Geist James, den wir auch noch in seiner Lebenszeit antreffen werden. James ist so herrlich snobistisch, aber trotzdem ein lieber Kerl.

Wie lange spukte die Geschichte von Gwen Ihnen schon im Kopf herum, bis Sie sie niederschrieben?
Lange hatte die Geschichte keine Zeit zum Spuken, zwischen der Planung und dem Schreiben lagen nur ein paar Monate.

Wie in vielen Ihrer Romane muss auch Gwen sich gegen einige leicht chauvinistische Einstellungen behaupten. Warum ist dies in Ihren Büchern immer mal wieder ein Thema?
Mädchen sollten wissen, dass sie Jungs in keiner Hinsicht unterlegen sind, das ist vor allem wichtig, wenn sie sich später im Job behaupten wollen. Dass man sich vollkommen gleichberechtigt fühlen und trotzdem romantische Vorstellungen leben kann, finde ich, ist kein Widerspruch.

»Rubinrot« ist der erste Band einer Trilogie. Bald erscheint der zweite Band »Saphirblau« und danach »Smaragdgrün«. Können Sie uns schon etwas über den weiteren Verlauf der Geschichte verraten?
Auf jeden Fall wird es deutlich romantischer werden. Und es gibt einen ziemlich frechen Wasserspeier-Geist namens Xemerius, der Gwendolyn allerdings manchmal auch nützlich sein kann. In Saphirblau tanzen Gideon und Gwendolyn ein Menuett ? auf einem Ball im 18. Jahrhundert. Außerdem streiten sie sich ziemlich viel.

Jugendromane, ein neues Terrain!

Sie sind eine der erfolgreichsten Autorinnen für Komödien für Erwachsene. Was hat Sie bewegt eine Fantasy-Jugendbuch-Reihe zu schreiben?
Mit dem Gedanken, ein Fantasy-Buch zu schreiben, liebäugelte ich schon viele Jahre. Ich denke, jetzt war die Zeit einfach reif dafür. Ich wollte ein Buch schreiben, das man als Vierzehnjährige genau so gern liest wie als Vierzigjährige.

Ist es nicht ungewöhnlich, dass der zweite und dritte Teil einer Trilogie so relativ schnell nacheinander erscheint? Gibt es dafür einen besonderen Grund?
Schnell? Ha, da müssten Sie aber mal hören, wie sich die Leute beschweren, von wegen, das dauert alles viel zu lang. Saphirblau wird hoffentlich (hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich?) in den nächsten Wochen fertig, und dann habe ich ein Dreivierteljahr Zeit, um Smaragdgrün zu schreiben. So können die Bücher immer im Jahresrhythmus erscheinen, das ist - glaube ich - auch woanders Usus.

Planen Sie, nach der Rubinrot-Trilogie weitere Jugendbücher schreiben?
Ja, auf jeden Fall.

Das Cover von »Rubinrot« ist unglaublich hübsch und für unsere DAISUKI-Leserinnen ein absoluter Hingucker. Hatten Sie Einfluss auf die Gestaltung des Buchcovers und der generell sehr schönen Ausstattung des Buches?
Als ich hörte, dass Eva-Schöffmann Davidov das Cover gestalten wird, habe ich vor Freude gekreischt, denn ich finde ihre Cover alle einfach zum Niederknien schön. Rubinrot hat alle meine Erwartungen übertroffen, ganz ehrlich finde ich es mit den schwarzen Lackscherenschnitten und den supersüßen Motiven das schönste Cover überhaupt. (Also von allen Cover auf dieser Welt ^_^) Ich glaube, Saphirblau wird aber auch genial schön aussehen, möglicherweise noch schöner.

Der Erfolg von »Rubinrot« wächst stetig. Macht es Ihnen Spaß sich mit Ihren Lesern zu unterhalten bzw. Kontakt zu haben und deren Reaktionen auf Ihre Serie zu hören?
Oh ja, das ist das allerbeste daran. Ich finde es wunderbar, dass der Spaß, den ich beim Schreiben habe, offensichtlich als Funke übergesprungen ist. Ich beantworte die Fanpost mit großer Freude und ich liebe es, auf Lesungen mit den Mädchen zu sprechen.

Pssst, privat!

Lesen Sie selbst gerne Jugendbücher? Haben Sie Lieblingsjugendbücher?
Ich lese sehr gern Jugendbücher, nicht nur, um die Konkurrenz zu studieren. Ich liebe ? neben so herrlichen Klassikern wie von Astrid Lindgren - alles von Neil Gaiman und Jonathan Stroud, außerdem fand ich Cassandra Clares Chroniken der Unterwelt sehr spannend, und gerade habe ich »Die Tribute von Panem« von Suzanne Collins gelesen und war hellauf begeistert.

Haben Sie ein kleines Faible für Zeitreisen, oder wie kamen Sie auf die Idee, eine Geschichte über diese Gabe zu schreiben?
Das war gar nicht meine Idee, sondern die des Verlegers. Für mich war es eine große Herausforderung, mir zu diesem Thema eine Geschichte auszudenken. Aber ich hatte Unterstützung von meiner Lektorin, Christiane Düring, die wunderbare Ideen für den Plot beigesteuert hat.

Sie haben schon unglaublich viele Bücher veröffentlicht. Gibt es darunter ein paar, die Ihnen im Nachhinein besser gefallen als andere und auf die Sie besonders stolz sind?
Mir gefällt immer das Buch am besten, das ich gerade geschrieben habe - auf die allerersten bin ich nicht mehr wirklich stolz ? Ich finde, ich bin viel besser geworden. ^_-

War es schon immer Ihr Traum, Autorin zu werden, oder hatten Sie auch mal andere Berufswünsche?
Autorin war tatsächlich immer mein Berufswunsch, später kamen noch ein paar dazu? Wir können froh sein, dass das mit dem Schreiben geklappt hat, wahrscheinlich wäre ich eine lausige Psychotherapeutin geworden. Aber vielleicht eine gute Gartenarchitektin? Eigentlich bin ich diplomierte Erziehungswissenschaftlerin? oh, ich war auch eine lausige Leiterin für Mutter-Kind-Kurse ^_^

Viele DAISUKI-Leserinnen schreiben sehr gerne Kurzgeschichten und träumen teilweise sogar davon, einmal eine so bekannte Autorin wie Sie zu werden.
Können Sie unseren Leserinnen verraten, wie Sie zu Ihrer ersten Buchveröffentlichung kamen?

Mein erster Roman war fast fertig, da habe ich ihn beim Lübbe-Verlag abgegeben, weil der in der gleichen Straße lag, in der ich auch gearbeitet habe. Zwei Tage später rief die Lektorin an und bot mir einen Vertrag an. Das ist allerdings eher ein ungewöhnlicher Weg, ich glaube, ich hatte einfach sehr viel Glück. Und Glück gehört sicher mit dazu, wenn man einen Verlag finden will.

Allen, die gern schreiben und veröffentlichen wollen, empfehle ich, am Ball zu bleiben, sich vielleicht mit anderen in Schreibforen zusammen zu tun, viel zu lesen und niemals den Spaß zu verlieren. Wenn man das schreibt, was man selber am liebsten liest, kann man eigentlich nichts falsch machen.

Und könnten Sie etwas über die guten und schlechten Seiten Ihres Berufes erzählen?
Die guten Seiten: Man kann im Schlafanzug zur Arbeit gehen, man kann sich die Zeit frei einteilen und man hat keine nervigen Kollegen, die ständig an der Bürotür vorbeikommen und »Mahlzeit« sagen. Die schlechten: Man ist manchmal sehr einsam an seinem Schreibtisch und wünscht sich einen nervigen Kollegen herbei, der »Mahlzeit« sagt.