Daisuki

Hiro Fujiwara im Interview

Hiro Fujiwara besucht die Leipziger Buchmesse 2010!

Kurz vor ihrem ersten Europa-Besuch stand uns die berühmte Maid-sama-Zeichnerin in einem exklusiven Interview Rede und Antwort!
Lest selbst, wie sie auf die turbulente Geschichte vom Maid Latte gekommen ist und wie Hiro Fujiwara so berühmt geworden ist! 
 

Von einer Kurzgeschichte zur Super-Serie

Name: Hiro Fujiwara
Geburtstag: 23. Dezember
Geburtsort: Hyogo
Wohnort: Kyoto
Blutgruppe: B
 
 
DAISUKI: Fujiwara-sensei, Sie haben unter Ihrem ersten Pseudonym Izumi Hiro an verschiedenen Talentwettbewerben teilgenommen und unter anderem den Best Rookie Award gewonnen (mit der Kurzgeschichte »Kaeri no Michi, Yuki no Atsu«). Was ging in Ihnen vor, als Sie erfuhren, dass Sie gewonnen haben?
Hiro Fujiwara: Das war im letzten Jahr meiner Schulzeit. Ich hab alles gegeben, um Mangaka zu werden, ohne mich irgendwo zu bewerben. Daher war ich erleichtert, weil ich endlich den ersten Schritt, »mein Manga wird im Heft gezeigt« machen konnte. Ich dachte, so wissen die Leute in meinem Umkreis, wie ernst ich das meine.
 
Ahnten Sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass Sie mal als Mangaka Ihren Lebensunterhalt verdienen würden?
Mangaka zu werden war seit meiner Grundschulzeit mein Traum. Ich war fest entschlossen, Mangaka zu werden, aber ich dachte ganz und gar nicht daran, ob ich davon leben kann. Wenn ich eine Person wäre, die sich über so etwas Gedanken machen würde, hätte ich während meiner Schulzeit sicher mehr gejobbt und was gespart…
 
Mit der Veröffentlichung der Kurzgeschichte »Akai Yume« änderten Sie Ihren Künstlernamen in Hiro Fujiwara. Könnten Sie uns verraten, warum?
Genau als ich dieses Werk verschickt habe, hab ich die Schule abgeschlossen und bin wieder zu meiner Familie gezogen. Selbstverständlich hatte ich da keine Arbeitsstelle, und ich hab mich entschlossen, mich noch ernsthafter mit Manga auseinanderzusetzen. Daher habe ich meinen echten Familiennamen genommen. Ich dachte, das würde so was wie ein Verantwortungsgefühl in mir wecken, wenn ich nicht mit Pseudonym, sondern mit echtem Namen genannt werde.
 
Im Februar 2006 wurde erneut eine Ihrer Kurzgeschichten in Lala veröffentlicht: »Maid-sama«! Sie kam so gut bei den Lesern an, dass die Geschichte von Misaki Ayuzawa und Takumi Usui nun als Serie in Lala läuft. Was ist, Ihrer Meinung nach, das Geheimnis des weltweiten Erfolges von »Maid-sama«?
Ganz ehrlich gesagt, hab ich nicht einmal daran gedacht, dass die Serie solche Resonanzen erhält. Ich dachte auch, Misaki wird auf Grund ihres harten Charakters nicht von den Lesern akzeptiert… Aber genau diese Misaki wurde beliebter als erwartet. Ebenso Usui, der sich immer wieder um diese Misaki kümmert… Ich glaub, Maid-sama kam wegen der Beliebtheit dieser Charaktere so weit.
Wie auch immer, die Grundlage dieses Mangas ist ein Maid-Café, das aus japanspezifischer Kultur entstanden ist. Deswegen hab ich nicht gedacht, dass das auch außerhalb Japans klappt. Bei dem Werk passieren wirklich nur unerwartete Dinge!
 
Eine Ihrer Kurzgeschichten, »The transparent World«, wurde auch im ersten Band von »Maid-sama« veröffentlicht. Eine Geschichte über Freundschaft nach dem Tod. Haben Sie so etwas schon mal erlebet?
Nein… so was Trauriges hab ich noch nie erlebt. Und ich hab auch kein Reikan (Spürsinn für Geister). Ich glaub, wenn ich so eine Erfahrung gemacht hätte, würde ich nicht auf die Idee kommen, dieses Thema in einem Manga zu verarbeiten…

Vom Manga zum Anime

Wie sind Sie ausgerechnet auf die Idee gekommen, einen Manga mit dem Thema »Maid-Café« zu zeichnen?
Zunächst wollte ich einen Manga über eine Schülerversammlung zeichnen und entwickelte dafür eine Story. So entstand eine charakterstarke Schulsprecherin. Als ich am Detail gearbeitet habe, kam ich auf die Idee, dass sie im Normalfall etwas männlich ist, aber beim Jobben eine niedliche Uniform trägt. Da kam mir die Idee mit dem Maid-Café.
 
Für Misaki und ihre Kolleginnen aus dem »Maid Latte« kreieren Sie immer wieder neue Uniformen. Woher kommen die Ideen dazu? Nähen Sie selbst gern?
Zu Beginn nahm ich verschiedene Zeitschriften als Anhaltspunkt und habe sie nach meinem Geschmack verändert. Bis Maid-sama hab ich noch nie eine Maid-Uniform gezeichnet und es war sehr anstrengend, da das Kleid so viele Rüschen und flatternde Stoffe hat. Heute werfe ich auch mal einen Blick in eine Zeitschrift, aber ich zeichne auch eigene Sachen ohne Referenzmaterial.
Ach ja, Nähen ist nicht meine Stärke, also hab ich noch nie so ein Kleid selbst gemacht.
 
Welchen Charakter aus Maid-sama zeichnen Sie am liebsten? Und welchen zeichnen Sie nicht so gern?
Misaki, da ich sie am besten zeichnen kann. Und Usui ist mit Abstand am schwierigsten. Ah, das Idiotentrio mag ich auch!
 
Was hat sich, nach dem Erfolg von »Maid-sama« in Ihrem Leben verändert?
Alles! Nach meinem Schulabschluss verließ ich mich voll und ganz auf meinen Eltern und führte ein recht wildes Leben. Aber nach dem ersten Taschenbuch konnte ich mich einigermaßen allein über Wasser halten und glücklicherweise läuft die Serie heute noch. So kann ich nach und nach mein Arbeitsklima verbessern.
Ach ja, beim Ausgehen mit meinen Freunden gebe ich mir weiterhin besonders viel Mühe, egal wie beschäftigt ich bin. Denn ich meine, dass man manchmal ordentlich spielen und Dampf ablassen muss, um gesund zu bleiben.
 
Ein Anime zu »Maid-sama« ist in Planung. Inwieweit sind Sie in die Arbeit involviert? Und wie unterscheidet sich diese Arbeit von der an einem Manga?
Meine Aufgabe ist Charakterdesign, Storybuch und Prüfung von dem, was die Anime-Mitarbeiter erschaffen haben. Es ist, als würde ich meistens auf dem Logenplatz sitzen und den Verlauf beobachten.
Die Arbeit an dem Anime ist ganz anders. Wenn ich einmal anfinge, die Unterschiede aufzuzählen, nähme es kein Ende. Aber der größte Unterschied ist, dass man ein Manga mit nur einem Zeichner zeichnen kann, aber es ist unmöglich, ein Anime allein zu kreieren …
Natürlich braucht man beim Manga viel Hilfe, wie Redaktion oder Assistenten, aber beim Anime kommen tonnenweise Profis aus verschiedenen Branchen (Planung, Zeichner, Komponist, Synchronsprecher usw. …) zusammen. Erst dann wird ein Werk fertig. An einem Anime arbeiten unvergleichbar mehr Leute als an einem Manga.
Beim Manga sieht man die Eigenart des Mangakas ziemlich schnell. Aber bei einem Anime kommen Eigenarten zahlreicher Personen zusammen. Daher ist es interessant, weil man nicht weiß, was daraus wird, bis das Werk fertig wird.
  
Sie leben in der Präfektur Hyogo und nicht in Tokyo. Beeinflusst das Ihre Zusammenarbeit mit dem Verlag Hakusensha in irgendeiner Weise?
Ich bin zwar in Hyogo geboren, aber derzeit wohne ich in Kyoto. Kyoto liegt zwar weit weg von Tokyo, aber es ist nicht gerade unpraktisch, weil ich die Redaktion per Telefon oder Fax kontaktiere. Ich mag Kyoto. Und in einer Stadt zeichnen zu können, die mir gefällt, ist eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose Arbeit.
 
Sie waren bereits einmal zum Signieren in Hong Kong. War es sehr aufregend für Sie?
Das war meine erste Autogrammstunde im Ausland, daher war ich sehr gespannt. Aber als ich den Ort sah, wurde ich blitzschnell nervös, da dort eine unerwartet großartige Bühne vorbereitet wurde. Da waren so viele Besucher und ich konnte nur daran denken, richtig zu unterschreiben und den Fans mein Autogramm zu geben. Manchmal waren auch welche, die mich mit vollem Elan angesprochen haben und auch welche, die sich Mühe gaben und versuchten, mich auf Japanisch anzusprechen. Da war ich wirklich froh und gerührt.
  
Freuen Sie sich schon auf die Reise nach Deutschland und Ihre deutschen Fans?
Und wie! Das ist meine erste Europa-Reise. Ich wollte schon immer nach Europa. Seitdem meine Deutschlandreise entschieden ist, hab ich in vielen Zeitschriften und Fernsehsendungen deutsche Landschaften gesehen und lasse dadurch meine Vorfreude wachsen.
Beim Signieren in Japan oder in Hong Kong kamen viele junge Mädchen… und was für Leser erwarten mich in Deutschland…? Ich bin so gespannt, wenn ich schon daran denke.
  
Auch in Deutschland gibt es wahnsinnig viele talentierte Nachwuchszeichner/innen. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps parat?
Etwa zu meiner Mittelschulzeit wurde mir so was gesagt: »Mit deinem Zeichenstil wird es nicht einfach sein, Mangaka zu werden«. Aber genau dieser Satz hat mich angefacht! Ich dachte: »Ich werde ganz sicher Mangaka! Das werde ich dir beweisen!« So erzielte ich den heutigen Stand. Als ich als erwachsene Person das Leben als Mangaka anfing, musste ich einsehen, dass es wirklich nicht einfach ist, Manga zu zeichnen. Aber ich glaube, dass meine Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft sind und gebe mir weiterhin Mühe. Ich meine, dass das sehr wichtig ist.
Bitte vergesst in all der Arbeit nicht die Liebe für das Zeichnen. Genießt es und poliert Eure Fähigkeiten auf. Das ist ein wichtiges Element für eine Entwicklung. Viel Erfolg!

In Deutschland nimmt man sich zum Jahreswechsel gute Vorsätze vor, wie z.B. Abnehmen oder aufhören zu Rauchen. Was ist Ihr Ziel für das Jahr 2010?
Psychisch und Physisch gesund bleiben. Das ist irgendwie das, was ich jedes Jahr sage…
Im 2010 kommt der Anime zu Maid-sama und mein Terminkalender ist total voll. Daher möchte ich ordentlich arbeiten können, ohne krank zu werden.
  
Haben Sie noch eine Botschaft an Ihre deutschen Fans?
Ich zieh mich öfter zurück und bleibe zu Hause, aber dank Fans in Deutschland komme ich zum ersten Mal nach Europa! Ich bin so froh! Vielen herzlichen Dank!
Ich versuche weiterhin Maid-sama in Schwung zu bringen, damit Ihr Spaß beim Lesen habt. Danke für Eure Unterstützung!