Daisuki

Dir en grey mit neuer DVD

Dir en grey

Wer sich auch nur wenige Minuten mit dem Thema "J-Rock" oder "Visual Kei" beschäftigt hat, wird kaum an einer ganz besondern Band vorbeikommen: Dir en grey!
Die fünf Mitglieder Die, Shinya, Toshiya, Kaoru und Kyo schlossen sich 1997 mit einem einzigen Ziel zusammen: den Schmerz und die Trauer, die sie fühlten, auszudrücken. Nicht gerade üblich in einem so auf Formalitäten bedachten Land wie Japan! Schon mit ihrer zweiten Single knackten sie die Top Ten der japanischen Charts, und auch alle nachfolgenden Releases platzierten sich unter den ersten Zehn. Zu Anfang überzeugten sie ihre Fans nicht nur mit ihren rockigen Songs und einer Dynamik zwischen Ballade und hysterischem Gekriesche, sondern auch mit ihren ausgefeiten Kostümen. Von ihrem Image als "Visual Kei"-Band distanzierten sich Dir en grey im Laufe der Jahre und gingen dazu über, ihre Musik, und nicht ihre Kostüme, das Make-up oder die Frisuren, in den Vordergrund zu stellen.

Nach ihrem ersten Konzert in der Berliner Columbiahalle im Sommer 2005 standen die (teils etwas apathisch wirkenden) coolen Jungs uns für ein Interview zur Verfügung. Klickt rein und lest das unglaublich ehrliche Interview mit Dir en grey!

Im November 2009 haben Dir en grey endlich die lang ersehnte DVD "Average Blasphemy" auf den Markt gebracht. Die Video-Clip-Sammlung bietet - wie sich eingefleischte Fans schon denken können - hochwertige visuelle Unterhaltung der J-Rocker. Da rocken die Jungs mal in düsteren Ruinen und machen im nächsten Clip kritisch auf die Atombomben-Abwürfe von Hiroshima aufmerksam. Keine DVD für Zartbesaitete - aber ein klares Must-Have für alle Fans der Szene!

"Der Blick von oben ist ein anderer"

Kyo, Toshiya und Kaoru
Ihr habt Dir en grey 1997 gegründet. Wie würdet Ihr den Weg beschreiben, der Euch von damals hierher gebracht hat?
Die: Es gab Höhen und Tiefen.
 
War es schwer, den richtigen Weg zu finden? Oder hat der Weg Euch gefunden?
Shinya: Sowohl als auch. Am Anfang sind wir voller Geschwindigkeit und mit 120%iger Energie losgerannt, doch wenn man einmal zum Stillstand kommt, dann fragt man sich: »War das so richtig?« Aber die einzige Antwort auf diese Frage ist, den Blick in die Zukunft zu richten – also haben wir das gemacht.
 
Ihr sagt, es sei Aufgabe der Band, Gefühle von Trauer und Schmerz auszudrücken und nach außen zu tragen. Sind diese Gefühle heute die gleichen wie damals, als Ihr die Band gegründet habt?
Toshiya: Wenn man auf der Erfolgsleiter nach oben klettert, erlangt man auch eine bessere Sicht auf die Dinge. Man kann mehr sehen und mehr fühlen, und der Schmerz nimmt dadurch eher noch zu. Im Kern ist es somit das gleiche Gefühl geblieben, aber das Wie und Warum hat sich geändert.

Ist es denn in Japan normal, dass man seinem Schmerz und seiner Trauer Ausdruck verleiht – oder ist das eher ungewöhnlich?
Kaoru:
Es gibt nicht viele Bands, die wie wir sind. Wenn man das allgemeiner sieht, also auch Film und Fernsehen mit einbezieht, ist das so: Es gibt Menschen, die lieber traurige Filme sehen, da sie sich besser mit den Charakteren identifizieren können. Es ist für sie leichter, in die Story einzusteigen und sich darin wiederzufinden, und das genießen sie irgendwie. Also muss diese Haltung schon etwas Japanisches sein, und gleichzeitig ist sie irgendwie auch ganz normal.

"Jeder muss selbst entscheiden, was er fühlt"

Die, Shinya und die neue DVD von Dir en grey

Wie wichtig ist Euch Euer Image, also die bunten Kostüme, Euer Style, die Videos etc.?
Kaoru:
Schwer zu sagen, da man solche Dinge nicht berechnen kann. Wir können nicht sagen, wie wichtig es uns genau ist, aber es ist uns wichtig. Alles Visuelle, also Kostüme, Videos usw., basiert auf unseren eigenen Ideen. Die visuellen Elemente sind dafür da, die Musik selbst zu unterstützen und weiterzutragen.

Als Ihr in der Berliner Columbia-Halle 2005 Euer erstes Deutschlandkonzert gegeben habt, hattet Ihr ziemlich normale Kleidung an. Warum?
Toshiya:
Im Laufe der Jahre hat sich die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken, verändert. Früher war es nötig, auffällige Kostüme zu tragen, um genau das auszudrücken, was wir wollten. Heutzutage passiert das in noch viel größerem Maß über die Musik.

Verzichtet Ihr auch deshalb auf die großen Kostüme, weil die Fans Euch nachahmen und genauso anziehen wie Ihr?
Kyo:
Diesen Fans können wir nur sagen: Wir bejahen das nicht, aber verurteilen es ebenso wenig. Im Grunde genommen ist es uns egal, wie sich die Fans anziehen und was für Kostüme sie tragen. Wir wollen, dass sie das tun, was sie tun wollen. Aber wenn man uns schon imitieren muss, dann sollte man uns perfekt imitieren.

Wie steht Ihr dazu, dass manche Fans auch die destruktiveren Seiten der Band imitieren?
Kyo:
Ich habe unseren Fans niemals gesagt, dass sie sich umbringen oder verletzen sollen. Es kommt einfach darauf an, was sie empfinden. Was ich auf der Bühne tue, ist nur Ausdruck der Dinge, die ich fühle. Die Fans müssen für sich selbst entscheiden, wie sie sich fühlen und wie sie das ausdrücken wollen.

Aber sobald Ihr in der Öffentlichkeit steht, habt Ihr doch auch eine gewisse Vorbildfunktion!
Die:
Würden wir nur an die Verantwortung denken, wenn wir auf der Bühne stehen, würde und das total einschränken. Wir wollen das ausleben können, was wir fühlen. Manchmal werden uns andere auf diesem Weg folgen, aber wir unterstützen das nicht.

Ist das eine anderes Gefühl, vor einem Publikum zu spielen, das wahrscheinlich zum größten Teil den Text Eurer Lieder nicht versteht?
Kyo:
Auch wenn man die Sprache nicht versteht, kann man aus der Musik eine Empfindung heraus ziehen. Das ist wichtiger, als den Text verstehen zu können. Allerdings gibt es ja auch englische Übersetzungen der Texte, also werden einige Fans wissen, was wir ausdrücken wollen. Ein Großteil der deutschen Fans hat auf unserem Konzert übrigens mitgesungen!

Für viele Bands ist es ein Traum, irgendwann einmal »Big in Japan« zu sein. Würdet Ihr gerne »Big in Europe« sein?
Kaoru:
Groß und erfolgreich zu sein ist nicht so wichtig. Wichtig ist, immer das tun zu können, was wir tun wollen.
Kyo: Wenn wir unsere Überzeugungen beibehalten können und dann Erfolg haben, bedeutet uns das eine Menge, denn Erfolg unter Aufgabe unserer Überzeugungen wäre total bedeutungslos. Wir werden also diesen Weg weiter beschreiten, und es wird sich herausstellen, ob wir damit erfolgreich bleiben.

Seid Ihr glücklich, hier und jetzt?
Kaoru: Vielleicht sehen wir nicht glücklich aus, oder unsere Musik wirkt nicht all zu glücklich, aber ich sehe das so: Solange ich weiterhin diese Musik machen kann, bin ich glücklich.

Vielen Dank für das Interview!